Wenn Unwissenheit und Inkompetenz auf Leidenschaft treffen – Ein Plädoyer für mehr Digitalkompetenz in der Verwaltung

Es gibt Momente im Berufsleben, da fragt man sich, ob man nicht doch in einer Parallelwelt gelandet ist. In einer Welt, in der Leidenschaft für Digitalisierung auf unbewusste Inkompetenz trifft und Vertrauen durch Misstrauen ersetzt wird – nicht wegen tatsächlicher Verstöße, sondern weil man es wagt, unbequem zu sein. So ein Moment ist jetzt für mich gekommen. Und weil ich der Meinung bin, dass solche Geschichten nicht nur mir passieren, sondern ein strukturelles Problem in vielen Verwaltungen sind, schreibe ich sie hier auf. Nicht, um mich zu rechtfertigen, sondern um zu zeigen, wie unwissentlich und unreflektiert mit Kompetenz und Engagement umgegangen wird.

Der unbequeme Mitarbeiter

Ich bin kein einfacher Mitarbeiter. Ich bin der, der Fragen stellt. Der, der Prozesse hinterfragt. Der, der Digitalisierung nicht nur fordert, sondern auch lebt. Und genau das macht mich in den Augen mancher unbequem. Nicht, weil ich Fehler mache, sondern weil ich Dinge anspreche, die andere lieber ignorieren. Weil ich Lösungen anbiete, wo andere nur Probleme sehen. Weil ich Wissen teile, wo andere es horten.

In einer Verwaltung, in der Hierarchien oft über Kompetenz gestellt werden, ist das kein Vorteil. Es ist ein Risiko. Denn wer unbewusst inkompetent ist, erkennt nicht, dass er es ist – und reagiert auf Kritik oder neue Ideen oft mit Abwehr. Und genau das passiert hier.

Die unbewusste Inkompetenz der Amtsleiter

Es ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung: Viele Entscheidungen in unserer Verwaltung werden von Menschen getroffen, die nicht wissen, was sie nicht wissen. Das ist kein Einzelschicksal, sondern ein systemisches Problem.

  • Digitalisierung? „Das machen wir schon immer so.“
  • Effizienzsteigerung? „Das haben wir noch nie gebraucht.“
  • Wissensaustausch? „Das geht so nicht, das war schon immer so.“

Das Problem: Unwissenheit wird mit Autorität verwechselt. Und wer keine Ahnung von Digitalisierung hat, kann auch nicht erkennen, dass Wissen teilen kein Luxus ist, sondern eine Notwendigkeit. Dass ein Blog, der sich mit Verwaltungsdigitalisierung beschäftigt, keine private Spielwiese ist, sondern ein Werkzeug für mehr Effizienz und Transparenz.

Der Blog: Ein dienstliches Werkzeug

Mein Blog, der Verwaltungsrebell, ist kein Hobby. Er ist ein Wissensspeicher, ein Netzwerkwerkzeug, ein Plädoyer für moderne Verwaltung. Ich schreibe darüber, wie wir Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung voranbringen können – nicht, weil ich muss, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass es besser gehen muss.

Und ja, die Artikel werden automatisch veröffentlicht – auf dem Blog, auf Mastodon und auf LinkedIn. Warum? Weil Wissen geteilt werden muss, um wirksam zu sein. Weil ich keine Zeit habe, jeden Beitrag manuell zu posten. Weil Automatisierung genau das ist, was wir in der Verwaltung dringend brauchen: Effizienz durch Technologie und letzlich es besser ist, diese Artikel tagsüber zu veröffentlichen und nicht spät Abends oder Nachts.

Wann arbeite ich am Blog?

  • Nie während der Dienstzeit.
  • Aber: Ja, ich lese manchmal während der Arbeit in meinen eigenen Artikeln nach. Warum? Weil der Blog gleichzeitig mein Notizbuch ist. Weil ich Wissen abrufe, das ich für meine tägliche Arbeit brauche. Weil ich lernen und nachschlagen muss – genau wie jeder andere auch.

Das ist kein Verstoß. Das ist effizientes Arbeiten.

Meine Vorträge

Ich habe tagsüber an Veranstaltungen und Videokonferenzen teilgenommen und auch eigene Beiträge geleistet. Auch das wird wir vorgeworfen. Der Sinn einer Vernetzung und eigener Beteiligung wird ebenfalls nicht verstanden. Das ist für mich ganz klar das Verhalten von Vampiren (Abziehen was geht, ohne einen Ausgleich oder einer Beteiligung – klar parasitär und unsozial). Man wirft mir vor, einen Gutschein, den ich für einen Vortrag erhalten habe, nicht angegeben zu haben. Der Gutschein wäre auf die nächste Lizenzabrechungen angewandt worden, könnte privat von mir überhaupt nicht genutzt werden. Ein völlig fadenscheiniger „Beweis“ oder eher ein Zeichen von vollkommener Überdramatisierung?

Die Datenbeschlagnahmung: Ein übergriffiger, unverhältnismäßiger Akt

Doch statt Gespräche zu führen, statt Klärung zu suchen, wurden meine Dienstgeräte und die darauf enthaltenen Daten (inkl. der Netzwerkspeicher) sichergestellt. Nicht wegen eines konkreten Verdachts, sondern weil man Fischen wollte. Firewall-Logs, Netzwerkprotokolle, alle Daten – alles wurde gesichert, wird durchforstet und analysiert. Ohne Vorwarnung. Ohne Anhörung. Ohne Verhältnismäßigkeit.

Und das ist nicht nur übergriffig. Das ist gefährlich.

Warum das ein Problem ist – besonders für mich als Personalratsvorsitzenden

Als Vorsitzender des Personalrats habe ich Zugang zu sensiblen Daten. Zu Personaldaten, zu internen Prozessen, zu Konflikten. Daten, die vertraulich sind. Daten, die geschützt werden müssen. Und jetzt liegen meine Geräte in den Händen der Amtsleitung – ohne dass ich weiß, wer darauf zugreift, was damit passiert, ob die Daten sicher sind.

Das ist kein kleines Problem. Das ist ein massiver Vertrauensbruch. Ein Bruch, der nicht nur mich betrifft, sondern alle Kolleg:innen, deren Daten ich als Personalrat schützen soll.

  • Wer garantiert, dass meine Daten nicht missbraucht werden?
  • Wer garantiert, dass vertrauliche Personalratsdaten nicht in falsche Hände geraten?
  • Wer garantiert, dass die Auswertung objektiv und nicht willkürlich erfolgt?

Antwort: Niemand.

Die Unverhältnismäßigkeit: Ein Gespräch hätte gereicht

In den letzten 12 Monaten habe ich keine 10 Artikel auf meinem Blog veröffentlicht. Zehn. In einem Jahr. Das ist keine exzessive Nutzung. Das ist ein Hauch von Aktivität – und selbst die diente ausschließlich dienstlichen Zwecken.

Hätte man ein Gespräch gesucht, hätte man Klärung herbeiführen können. Hätte man Fakten geprüft, hätte man gesehen, dass hier kein Missbrauch vorliegt, sondern Engagement.

Stattdessen: Datenbeschlagnahmung. Überwachung. Misstrauen.

Das ist nicht Kontrolle. Das ist Schikane.

Die Kompetenzstufen – und warum sie ignoriert werden

In der Psychologie gibt es das Dunning-Kruger-Effekt: Menschen mit geringem Wissen überschätzen ihre Kompetenz, während Experten ihre Fähigkeiten oft unterschätzen. In unserer Verwaltung sieht das so aus:

Stufe 1: Unwissenheit – „Digitalisierung? Brauchen wir nicht.“

Stufe 2: Ablehnung – „Das haben wir noch nie so gemacht.“

Stufe 3: Akzeptanz – „Vielleicht sollten wir mal drüber nachdenken.“

Stufe 4: Kompetenz – „Wie können wir das umsetzen?“

Das Problem: Viele stecken in Stufe 1 oder 2 fest – und erkennen nicht, dass sie keine Ahnung haben. Und wer keine Ahnung hat, kann auch nicht erkennen, dass Wissen teilen kein Luxus ist, sondern eine Pflicht.

Fazit: Mehr Mut zur Kompetenz – und weniger Angst vor Transparenz

Ich werde weiter Fragen stellen. Weiter Prozesse hinterfragen. Weiter Wissen teilen – ob in meinem Blog, auf Mastodon oder auf LinkedIn. Denn am Ende geht es nicht um mich. Es geht um die Verwaltung von morgen. Eine Verwaltung, die digital denkt. Die Wissen teilt. Die Vertrauen schenkt – statt Misstrauen zu säen.

Und wenn ich dabei unbequem bin, dann ist das vielleicht genau das, was nötig ist. Denn Veränderung beginnt dort, wo man anfängt, Dinge anders zu machen.

Doch eines ist klar: Der Weg, den man hier eingeschlagen hat, ist der falsche. Nicht nur, weil er vollkommen unverhältnismäßig ist. Sondern weil er Vertrauen zerstört – und das ist das Schlimmste, was einer Verwaltung und einem Arbeitsverhältnis passieren kann.


Was denkt ihr?
Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie geht ihr mit unbewusster Inkompetenz und übergriffigen Kontrollen in eurer Verwaltung um? Schreibt es in die Kommentare – oder, noch besser: Teilt euer Wissen. Denn nur so kommen wir weiter.


Dieser Artikel wird, wie immer, automatisch auf Mastodon und LinkedIn geteilt. Weil Wissen geteilt werden muss – nicht nur gelesen.

Zitiervorschlag:
mpooch (2026): Wenn Unwissenheit und Inkompetenz auf Leidenschaft treffen – Ein Plädoyer für mehr Digitalkompetenz in der Verwaltung.
Verwaltungsrebell, ISSN 3054-1271.
https://verwaltungsrebell.blog/wenn-unwissenheit-und-inkompetenz-auf-leidenschaft-treffen-ein-plaedoyer-fuer-mehr-digitalkompetenz-in-der-verwaltung/

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