Fristlos entlassen – und endlich frei

Es ist offiziell: Ich wurde fristlos gekündigt – und zwar bereits Anfang Juli. Warum ich erst jetzt darüber schreibe? Weil ich mir die Zeit genommen habe, das Ganze sacken zu lassen. Und weil ich jetzt endlich Lust habe, darüber zu schreiben. Nicht aus Wut. Nicht aus Bitterkeit. Sondern weil ich es für wichtig halte, dass solche Geschichten erzählt werden. Und weil ich bereits nach der Datenbeschlagnahme eine tolle neue Anstellung in einem hochmotivierten Team gefunden habe – auf die ich mich riesig freue.

Fristlos entlassen – und endlich frei

Es fühlt sich an wie eine Befreiung. Nicht, weil ich derzeit arbeitslos bin – sondern weil ich endlich raus bin aus einem System, das Inkompetenz belohnt, Toxizität pflegt und Innovation wie einen ansteckenden Virus behandelt.

Die „Ermittlungen“ – oder: Wie man aus Mücken Elefanten macht

Es begann mit „Ermittlungen“. Klingt dramatisch, oder? Als hätte ich geheime Akten an die Presse verkauft oder den Bürgermeister mit einem 3D-gedruckten Katapult aus dem Rathaus geschossen. Die Realität war weniger spektakulär: Ich habe eine lokale KI (Ollama) auf meinem Rechner gehostet. Angeblich auf einem High-End-Gaming-PC? Nein. Ein Arbeitsgerät, das mir half, Daten auszuwerten, Prozesse zu optimieren und – oh Schreck! – effizient zu arbeiten. Der PC war auf das Hosten und Arbeiten mit einer lokalen Ki ausgerichtet, konnte darüber hinaus Vidoecapture für Anleitungsvideos (z.B. in der Verwendung von regisafe) betreiben, Video- und Audioschnitt zulassen. Darüber war er ein leistungsfähiger Compiler für meine Scripte und Programme.

Doch für manche ist Effizienz verdächtig. 13.000 Zeilen Excel-Auswertung – Beweis für „private Nutzung“? Lächerlich. Die meisten Einträge zeigen: LinkedIn, Code.sh, Codeberg, ChatGPT, Vibe. Also genau das, was man von jemandem erwartet, der sich beruflich mit Digitalisierung beschäftigt. Dass ich dabei auch mal meinen Blog korrigiert habe? Skandal! (Oder vielleicht einfach nur: Arbeit.)

Und ja, es gab eine ungeschickte Sache: Für einige Stunden hatte ich Snowrunner gestartet. Nicht, um zu zocken – sondern um Mods herunterzuladen, diese dann zu kopieren und zu Hause zu nutzen. Private Nutzung? Ja, der Download war privat. Aber: Ich habe währenddessen weitergearbeitet. Ob das die Kündigung rechtfertigt? Ich überlasse das deinem Urteil.

Aber die Dienstvereinbarung

Korrekt, wir haben eine DV, die die private Internet-Nutzung untersagt. Warum? Weil die Behörden-PCs im Landesnetz hängen und wir unsere Daten nicht gefährden wollen. Da der Rechner, um den es geht, in einem eigenen Netzsegment arbeitete, und zwar in unserem physikalisch getrennten Netz, in dem auch das Gäste WLAN des Rathauses betrieben wird, bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Daten der Behörde. Somit ist die DV auch nicht unmittelbar anwendbar – aber auch das hat niemand hinterfragt oder verstanden.

Führung? Welche Führung?

Die Hauptamtsleitung hat dem verbliebenen Personalrat die Beschlüsse diktiert. Ja, du liest richtig: diktiert, oder eher vorformuliert gesendet und abnicken lassen. Damit verkam der PR zu einem Erfüllungsgehilfen. Und dann bedankte man sich noch für die „gute Zusammenarbeit“. Ironie des Schicksals? Oder einfach nur zynisch? Schade für die Belegschaft, die sich zukünftig auf einen schwachen PR verlasssen muss.

Ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen. Hätte ich bei Ansprache Dinge erklärt? Natürlich. Hätte ich mein Verhalten angepasst? Wenn nötig. Aber in einem System, in dem Unwissen und unbewusste Inkompetenz die Entscheidungen treffen, ist Anpassung oft zwecklos.

Keine Träne – nur Erleichterung

Und jetzt? Ich weine meiner alten Stelle keine Träne nach. Im Gegenteil: Ich habe diesen Sommer mit meinen Kindern genossen, im Kleingarten wahnsinnig viel geschafft – und vor allem: Ich bin frei. Frei von toxischen Strukturen. Frei von Entscheidungen, die auf Unwissen basieren. Frei von dem Gefühl, gegen Windmühlen kämpfen zu müssen.

Was bleibt?

Die Kontakte, die ich außerhalb der Gemeinde geknüpft habe. Die Menschen, die wirklich etwas bewegen wollen. Die, die verstehen, dass Digitalisierung kein Luxus ist, sondern Überlebensnotwendigkeit. Und die werde ich weiterhin pflegen.

Fazit: Befreit statt gekündigt

Manchmal ist eine Kündigung das Beste, was dir passieren kann. Sie zwingt dich, den Mist hinter dir zu lassen – und endlich durchzuatmen.

Und falls sich jemand fragt: Ja, ich hätte bleiben und weiterkämpfen können. Aber warum? Wenn das System nicht will, dass sich etwas ändert – dann ist der einzige logische Schritt: Gehen. Und es besser machen. Irgendwo anders.


Was denkst du? Kennst du ähnliche Geschichten? Oder hast du selbst schon erlebt, wie Inkompetenz und Toxizität den Arbeitsalltag vergiften? Schreib’s in die Kommentare – ich bin gespannt!

Zitiervorschlag:
mpooch (2026): Fristlos entlassen – und endlich frei.
Verwaltungsrebell, ISSN 3054-1271.
https://verwaltungsrebell.blog/fristlos-entlassen-und-endlich-frei/

1 Kommentar zu „Fristlos entlassen – und endlich frei“

  1. Ist mir damals genauso geschehen. Auch dort hat die Amtsleitung den PR als Abnicker missbraucht. Toxisch, autoritär, bar jeden Gewissens. Sturheit gepaart mit Ignoranz. Besonders schlimm, dass damals (wahrscheinlich genauso heute noch) andere Dinge verschleiert oder bewusst hingenommen werden. Es gab eine Leitung, die mehrmals im Jahr ihre Urlaubsplanung komplett im Büro abgewickelt hat, andere machten auf Dienstfahrten Besorgungen und verschwanden im Homeoffice, unerreichbar für Kollegen. Wieder andere kamen besonders pünktlich, um jeden Morgen zu Beginn der erlaubten Arbeitszeit viel Zeit für Gespräche und private Telefonate zu haben. Naja, ich bin auch froh, dort weg zu sein…

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